11.09.2009 von shahi
Heuallergie Caprichosa
Caprichosa leidet an Pollenallergie. Sie reagiert auf folgende Inhalationsallergene:
Knäuel-, Liesch-, Rispen-, Ruchgras, Strauss-, Honig-, Hundszahngras und Quecke.
Desweiteren auf Gerste, Hafer, Weizen, Mais und Roggen.
Das wurde Anfang diesen Jahres per Allergietest herausgefunden.
Zur Vorgeschichte
Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wann die Symptome angefangen haben. Aber ungefähr vor 3 Jahren trat zum ersten Mal im Herbst, nach der Weidesaison der Husten auf.
Ich habe natürlich gleich den Tierarzt geholt. Caprichosa wurde auf normalen Husten mit Schleimlöser(Ventipulmin) behandelt. Antibiotika bekam sie nicht.
Ich hatte damals noch keine Ahnung, wie gefährlich Husten bei Pferden ist, habe mich aber auf die Tierärztin verlassen. Ich habe Caprichosa normal geritten und das “Zeugs” gegeben, aber der Husten ging den ganzen Winter über nicht weg.
Als es Frühjahr wurde und die Pferde auf die Weide kamen wurde der Husten von Mal zu Mal weniger, bis er ganz verschwunden war. Caprichosa war den ganzen Sommer über fit. Ich war super erleichtert, doch das sollte es nicht gewesen sein…
Im darauffolgenden Herbst begann der Husten von Neuem. Der Husten war zeitweise extrem schlimm, und Caprichosa hatte teilweise richtige Atemnot.
Ich habe die Tierärztin gewechselt. Ich wusste, dass diese Tierärztin sehr gut in Atemwegserkrankungen ist.
Sie hat Caprichosa untersucht und auch Schleim in der Lunge festgestellt.
Also, wurde sie wieder mit Schleimlöser, diesmal mit B-Vetsan behandelt. Das half aber alles nichts.
Letztes Jahr als der Husten so schlimm war, dass Caprichosa kaum mehr im Schritt einen Berg hochkam, ohne fast zu ersticken, machten wir einen Allergietest. Dazu wurde ihr Blut genommen und im Labor mit den verschieden Allergenen in Verbindung gebracht.
Heraus kam die eindeutige Allergie auf die oben genannten Inhalationsallergen. Auf die Futtermittel an sich reagiert sie nicht.
Als nächstes schlug mir meine Tierärztin eine Hyposensibilisierung vor, bei der über mindestens 1 Jahr und mehr meiner Stute ein Serum unter die Haut gespritzt wird. Das Serum enthält 4 verschiedene Mischungen mit den bestimmten Allgieauslösern. Es wird nach einem mitgelieferten Plan zuerst über mehrere Wochen einmal wöchentlich, und dann im Abstand von 2, 3, und 4 Wochen von mir gespritzt.
Durch die stufenweise immer höhere Dosierung der Allergene soll sich das Immunsystem an diese gewöhnen, bis es nicht mehr allergisch reagiert. Anscheinend hat man damit gute Erfolge, wobei es auch davon abhängt wie lange die Allergie schon besteht. Die besten Erfolge erzielt man nach 1-2 Jahren der Diagnose. Bei manchen Pferden hilft es allerdings auch nicht. Ich hoffe, dass das bei Capri funktioniert.
Seit Februar 07 wird sie nun desensibilisiert. Ein Ergebnis steht aber frühestens erst nächstes Jahr, bei einem erneuten Bluttest fest. Ich stand aber vor einem großen Problem, da der Zustand von Caprichosa dieses Jahr sehr sehr schlecht war. Die zusätzlichen Schleimlöser und Bronchenerweiterer (Ventiplus) halfen nichts. Ich konnte sie zeitweise gar nicht mehr bewegen. Das ist ein Teufelskreis, denn ohne Bewegung verschleimt die Lunge nur noch mehr.
Ich habe mich dann intensiv mit dem Thema beschäftigt. Mich durch Internet Foren und Artikel gekämpft. Ein Video
über die Auswirkungen von Husten (hat mir meine Tierärztin geliehen), hat mir endgültig die Augen geöffnet!
Also habe ich angefangen nur noch gewaschenes Heu zu füttern und jeglichen Staub vermieden (so gut es ging), d.h. z.B. beim Putzen so in den Wind gestellt, dass alle Haare und Staub Richtung Schweif geweht wurden und nie in der Nähe kehren. Da es immer sehr warm war habe ich in der Hütte das Sägemehl auch nass gemacht. Die komplette Hütte habe ich ausgedampft um allen Staub und Spinnweben zu entfernen. Sie hat immer frische Luft(Offenstall). Zusätzlich habe ich mir den Ultraschallvernebler von Hippomed gekauft. Er kostet 800€ und ist in der Qualität wie der Kegel Ultraschallvernebler. Die günstigeren kann man getrost vergessen, da sie die Teilchen nur bis in die Luftröhre vernebeln. Das wäre nur rausgeworfenes Geld. Bei meinem Vernebler werden die Teilchen bis in die kleinsten Lungenverästelungen (Alveolen) vernebelt.
So habe ich dann Anfang April mit dem Inhalieren begonnen. Es wird mit Kochsalzlösung (aus der Apotheke) und je nach Bedarf, mit Medikamenten vernebelt. Ich habe mit Fluimucil Ampullen zum Schleim lösen, jeden zweiten Tag eine (bekommt man auch in der Apotheke mit Rezept vom Tierarzt)und insgesamt 10, vernebelt. Das Fluimucil hat den gleichen Wirkstoff wie das Equimucin. Der Vorteil des Vernebelns ist, dass die Medikamente direkt in der Lunge ankommen und nicht den restlichen Körper belasten. Ausserdem helfen die üblich verabreichten Mittel meisst gar nicht, weil sie wie gesagt, die Lunge oft gar nicht erreichen.
Inhaliert hat meine Caprichosa täglich 1-2Mal über 7 Wochen. Eine Woche lang bekam sie noch das Mittel Berodual hinzu (wird beim Mensch bei Asthma und Heuschnupfen inhaliert). Das erweitert die Bronchien, und löst den Krampf. Das Mittel enthält KEIN CORTISON ! Man kann zu diesem Zweck auch Cuprum Aceticum Ampullen (homöopathisch) vernebeln.
Es ging meiner Stute schon nach dem zweiten Mal inhalieren so deutlich besser, dass es für mich fast wie ein Wunder war! Sie genoss es richtig und ist teilweise dabei fast eingeschlafen! Inhaliert wird immer ca. 20 Min mit 50ml Kochsalz mit oder ohne Medikament.
Zu Anfang haben sich manchmal riesige Schleimbollen gelöst (die hat sie ein paar Mal in die Inhaliermaske gehustet), oder der Schleim kam dann danach beim Bewegen raus. Caprichosa wurde mit der Zeit VÖLLIG HUSTENFREI und hatte ihre ganze Energie zurückgewonnen. Im Wald kam sie mit Leichtigkeit jeden Berg sogar im Galopp hoch, ohne Husten oder Atemnot zu bekommen. Es macht ihr wieder richtig Spass zu laufen!
Das Inhalier-Gerät ist die beste Investition die man machen kann. Auf lange Sicht spart man viele Tierarztkosten, auch wenn es teuer in der Anschaffung ist.
Heutzutage werden sogar viele gesunde Sportpferde mit dem Ultraschallvernebler behandelt, damit sie die gesamte Luft der Lungen zur Verfügung haben.
Ich habe nun seit einer Woche mit Inhalieren Pause gemacht und keinen einzigen Huster von ihr gehört. Gestern beim Ausreiten hatte sie trotz schwül warmem Wetter soviel Power, dass sie den ganzen Heimweg im Tänzel-Schritt zurücklegte. Mein Araber Shahi war als Handpferd dabei und konnte kaum mithalten!
Nun werde ich je nach Symptombild einmal die Woche auf jeden Fall inhalieren, und vor dem Herbst wieder verstärkt täglich anfangen.
Noch ein paar Worte zur Funktion der Lungen: Auf den Bronchien befinden sich kleinste Flimmerhärchen. Sie sind mit einer besonderen Schleimschicht ausgestattet, die die Funktion hat den ganzen Staub und Dreck, der unweigerlich eingeatmet wird, abzutransportieren.
Durch Allergien oder Bronchitis wird zäher Schleim in den Bronchien gebildet. Er zerstört mit der Zeit die Flimmerhärchen. Sie werden verklebt und schliesslich ganz zerstört. Nun kann der ganze Staub nicht mehr abtransportiert werden. Husten und Bronchialkrämpfe sind die Folge. Es wird immer mehr zäher Schleim gebildet und Bakterien setzen sich ab. Jetzt werden auch die Lunge und die Alveolen mit Schleim befallen. Es können ganze Lungenareale absterben. Durch zusätzliche Anstrengung und Husten können die Lungenbläschen platzen. Dieser Vorgang ist nicht wieder rückgängig zu machen! Das Pferd wird nie mehr voll Leistungsfähig sein.
Bei Caprichosa sind glücklicherweise laut meiner Tierärztin, noch keine Lungenbläschen geplatzt, und durchs Inhalieren habe ich den Schleim rausbekommen. Die Flimmerhärchen bilden sich wieder neu und nun wird auch der Staub wieder abtransportiert. Die Allergie wird bleiben, aber ich kann die Allergene so gut es geht ausschalten. Ihre Lunge hat sich super erholt. Wenn die Weidesaison um ist, werde ich meine Pferde zusätzlich auf staubfreie Späne umstellen. Heu wird grundsätzlich nur noch nass gegeben und wenn Symptome auftreten habe ich ja meinen Ultraschallvernebeler um sofort gegen zu wirken. Denn wenn sich der Schleim erstmal festsetzt beginnt der Teufelskreis. Dann sind nicht nur die Allergieauslöser “tödlich”, sondern jeder kleinste Dreck, Staub, Haare,…
Wichtig ist auch viel Bewegung fürs Pferd, am besten täglich. Aber nie überanstrengen! Das Pferd sollte im Offenstall stehen und immer frische Luft haben.
Ich hoffe mit meinem Bericht einigen Betroffenen helfen zu können. Es ist nie zu spät etwas zu unternehmen! Aber je früher man die Behandlung beginnt, desto besser.
Pferdehusten ist innerhalb weniger Wochen bereits chronisch!
Für Fragen stehe ich gerne bereit. Schreibt mir über die Kontaktseite.
Artikel verfasst von Carola Götz, 26.Mai 2007


01:58 on 15.05.2010
Vielen Dank für Deinen tollen Bericht. Werde mir die 800 EUR wahrscheinlich auch ans Bein binden. Mein Araberwallach Djamel hat seit einer Woche starken trockenen Husten. Im Galopp rennt er über den Husten weg – ich denk aber er erstickt fast, so würgt
es ihn. Trotz Kortison und Ventiplus. Seit drei Tagen füttere ich Heulage und Stroh, habe auf Späne umgestellt – mache aber an kalt nassen Tagen das Paddock zu. (Kalt führt bei ihm zum Hustenreiz). Soll ich in die Klinik fahren (jetzt schon?)
08:57 on 07.07.2010
Danke für deinen Bericht. Ich habe mir ein Pferd gekauft dass schon bei der kleinen AKU beim antraben abgehustet hat. Meine TA hat beim abhören aber nichts finden können und sagte tolles Tier-kaufen. Nun habe ich ihn seit 3 Monaten und er hustet oft ab beim antraben und schnaubt auch auffallend häufig ab.
Sollte ich einen Allergietest machen lassen oder nochmal abhören? Er stand früher in einer Paddockbox und nun im Offenstall mit angrenzender Weide und großem Unterstand.
Wär über Tips dankbar.
LG