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13.09.2009 von shahi

Spanien – Urlaubssonne & Pferdeparadies?

Da meine PRE Stute Caprichosa als Fohlen aus Spanien kam, hat mich auch dieses Land interessiert. Man verbindet mit Spanien den sonnigen Urlaubstraum, und in meinem Fall, als Pferdebegeisterte, habe ich dieses Land immer mit diesen edlen, wunderschönen PRE Pferden in Verbindung gebracht. Für mich gibt es keine schöneren Pferde, als diese.

Ich war früher auch oft im Urlaub dort, aber nur zum Baden – und was man sonst so im Urlaub macht.

1999 war ich mit meiner Bekannten in der Nähe von Madrid um dort 3 Wochen in einem Ausbildungs-Zucht-und Pensionstall zu arbeiten. Voller Vorfreude sind wir dorthin gereist. Ich war dann aber schnell ernüchtert, denn der Stall war absolut nicht das, was ich ich mir vorgestellt hatte. Ein ganz normaler Gitterboxen Stall (wie auch heute noch bei uns in vielen Reitvereinen), allerdings ohne Fenster in den Boxen. Dort standen nun  40 Hengste, eigene Zuchthengste, Beritthengste und Hengste von Privatpersonen.

Es waren alles Hengste der reinen spanischen Rasse PRE – wunderschöne Tiere! Ich war fasziniert von dieser Schönheit und gleichzeitig taten sie mir unendlich leid. Ihre Augen sprachen Bände…

Spanien ist eigentlich ein Land voller Machos – auch weiblicher Machos. Es werden nur Hengste geritten und folglich auch die meisten als Hengste gehalten. Die Stuten sind nur Gebärmaschinen und ich weiß nicht wo sie landen wenn sie ausgedient oder erst gar nicht zuchttauglich sind. Wallache werden oft in Stierkampfarenen verheizt, aber auch Hengste.

Also die Hengste in dem besagten Stall haben kein schönes, pferdegerechtes Leben. Sie müssen nur für die männlichen Egos herhalten und sind  Statussymbole. Ich habe in Spanien sehr viele unschöne Dinge erleben müssen und wir sind auch viel in anderen Ställen gewesen. In herrschaftlichen Anwesen, aber auch dort ging es den Hengsten nicht besser.

Als wir dort waren, kam ein Pferd aus einem “Hänger”. Ich habe diesen nicht gesehen aber das war bestimmt kein normaler Pferdeanhänger wie wir ihn kennen. Das Pferd hatte offene Beine bis zum Knochen. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, als die Tierärzte da waren und das Pferd versorgten Ich glaubte echt nicht was ich sah und wollte wissen wie das passiert ist. Man sagte mir nur er hätte sich beim Transport verletzt…

In der Zeit, als wir in Spanien waren gab es gerade dieses El Rocio Fest in Jerez de la Frontera. Es gingen einige mit ihren Hengsten dorthin um zu brillieren. Es wird auf dieser Fiesta viel gefeiert und Cherry getrunken. Es ist knalle heiß dort unten und für die Hengste ist das kein Vergnügen. Ein Pferd kam zurück und war total am Ende. Es hatte eklige Wunden von den Sporen, war total dehydriert und musste an den Tropf gehängt werden…

Wir haben die Hengste immer gleich morgens füttern müssen. Einmal habe ich bemerkt, dass ein Hengst auf dem Nasenrücken so geschwollen und wund aussah. Ich habe es dem Stallbesitzer gesagt. Der hat dann auf dem Nasenrücken mit den Fingern rumgekratzt und dann ist es aufgebrochen und der Eiter kam raus….

Die Hengste werden ja mit der Serreta eingeritten. Das ist ein Kappzaum aus Eisen mit scharfen Ecken, die direkt auf dem empfindlichen Nasenrücken liegen und dort böse Wunden verursachen. Das sind auch dann die typischen Narben, die man bei vielen spanischen Hengsten sieht.

Die Hengste kommen mit 3 Jahren von der Koppel und sind ja wie Wildpferde, weil sie kaum Kontakt zum Menschen hatten und da werden sie dann herausgerissen und erfahren die brutale Realität. Das passiert von heute auf morgen und ist ein traumatisches Erlebnis für die Tiere.

Ich schreibe diese Geschichte auf, um zu zeigen, dass hinter dem was man sieht und was tatsächlich ist – eine große Diskrepanz klafft. Denn meistens  sieht man eben diese edlen Pferde in ihrer vollen Schönheit, Sanftmut und traumhaften Bewegungen. Doch das ist nicht immer die Wahrheit. Die Wahrheit dahinter ist in vielen Fällen eine für das Pferd grausame Wahrheit. Dahinter steckt vielmehr kein pferdegerechtes Leben, kein Kontakt zu Artgenossen, kein Weidegang und keine Freiheit. Dahinter steckt Lebenslange Boxenhaft und ein Anspruch an diese Tiere, der in keinem Verhältnis dazu steht was sie wirklich brauchen…

Es gibt bestimmt auch schönere Beispiele in Spanien. Menschen die es gut mit den Pferden meinen. Aber trotz allem wird das PRE Pferd immer als ein Prestigeobjekt gesehen. Seine Schönheit und seine tänzerischen Bewegungen werden ihm zum Verhängnis. Und wer sich so ein Pferd aus Spanien kauft sollte ganz genau abwägen. Muss es ein Hengst sein? Kann ich ihm überhaupt ein artgerechtes Leben bieten, oder ist es eher mein Ego, daß er befriedigen muss? Will ich von ganzem Herzen so ein Tier, oder will ich es nur um “modern” zu sein?

Für mich sind diese edlen Pferde ein Symbol für alle Tiere, ein Symbol für Freiheit. Ein Symbol für Würde und Wahrhaftigkeit. Wenn wir Menschen das nicht sehen können, ist unser Glück auch nur eine Illusion.

Carola Götz – 2009

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