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12.09.2009 von shahi

Tagebuch Training

Training meiner Pferde nach klassischen Grundsätzen!

Ich habe mich in letzter Zeit viel mit der klassischen Dressur in der Theorie beschäftigt. Bücher und DVDs von Anja Beran und Gerd Heuschmann (Biomechanik der Pferde) studiert.

Mir ist klar, dass ich reiterlich viele Fehler gemacht habe und meine Pferde in ihrer Schiefe noch kaum korrigieren konnte. Mein erstes Ziel ist weg von der Hand zu kommen, d.h. die Pferde nur noch von hinten nach vorn zu arbeiten.

Klassische Dressur bedeutet nicht anderes als die Pferde zu mobilisieren. Sie sollen überall beweglich werden und sich in ihrem Körper wohlfühlen, sich selber tragen. Das kann nur von der Hinterhand über den Rücken erfolgen. Man kann die klassische Dressur auch als Krankengymnastik bezeichnen. Mit dieser Art der Gymnastizierung wird die Muskulatur gestärkt, was bewirkt, dass Bänder und Sehnen entlastet werden. Das beugt Gelenkskrankheiten wie der Arthrose u.a. vor. Das Pferd ist nicht mit dem Reiter auf seinem Rücken geboren, aber wir reiten auf ihm. Deshalb müssen wir seinen Körper gymnastizieren, ihn gerade richten und stärken. Nur so kann ein Pferd das Reitergewicht tragen, ohne Schaden zu nehmen.

Dazu sind Übertreten und die Seitengänge das Fundamentalste. Nur wenn die Pferde in der Hinterhand vermehrt Last aufnehmen, die Hanken beugen,  kann sich der Rücken stärken und infolgedessen bildet sich der Hals aus, der dann auch Tragearbeit übernehmen kann. Wenn das Pferd lernt sich zu koordinieren und ins Gleichgewicht zu kommen, sich selber trägt, dann kann es sich im Laufe der Zeit aufrichten. Es wird seinen Hals und Kopf selber positionieren. Das wird niemals mit der Hand erreicht. Wenn ich ein Pferd gegen die Hand laufen lasse, und Kopf und Hals in eine starre Haltung zwinge hat es keine Korrekte Anlehnung. Erst wenn das Pferd von selbst den Zügel sucht, an ihn herantritt und zufrieden abkaut, ist es ein Erfolg. Man darf nie mehr in der Hand haben, als das Gewicht der Zügel selbst.

Die Muskulatur am Hals wird sich nur verbessern, wenn das Pferd seinen langen Rückenmuskel frei bewegen kann und das Nacken-Rückenband durch vorwärts-abwärts Dehnung des Halses den Rücken passiv anhebt. Und nur so können die Hinterbeine Last aufnehmen. Der lange Rückenmuskel ist kein Tragemuskel, sondern ein Bewegungsmuskel. Muss das Pferd seinen langen Rückenmuskel zum Tragen benutzen, weil wir das Pferd in eine Aufrechte Position zwingen, ist der gesamte Bewegungsablauf gestört. Das Pferd verspannt die gesamte Muskulatur und somit baut sie sich nicht auf, sondern ab.

Soviel die Theorie in Kürze.

23.5.09 – SHAHI
Heut habe ich mit Shahi erstmal das geschlossene Stehen geübt. Das war schon sehr schwierig. Irgendwann hat er es aber einigermaßen hinbekommen.

Viel loben und Pausen zum Dehnen machen.

Dann habe ich Übertreten an der Hand geübt. Auf der linken Hand ist Shahis hohle Seite. Dort bekomme ich ihn auch sehr schlecht oder fast gar nicht an den äußeren Zügel. Außerdem hat er noch ein schiefes Becken und tritt mit dem hinteren inneren Bein eine Spur neben das vordere innere.

Er wurde letztes Jahr 2mal osteophatisch behandelt, da sein Kreuzbein total schief stand. Das hat sich schon ganz gut gebessert. Ist aber alles nicht optimal.

So, nun das Übertreten linke Seite. Er hatte große Schwierigkeiten sein hinteres inneres Bein zu kreuzen. Außerdem wollte er sich durch zwicken entziehen. Ich versuche das mal zu ignorieren. Und irgendwann war er so konzentriert, dass er das Zwicken auch vergaß.

Nach eine paar Tritten Pause machen. Das habe ich auf beiden Seiten geübt und irgendwann hat Shahi angefangen entspannt auf dem Gebiss zu kauen. Das war ein großer Erfolg.

Ich bin dann noch geritten und habe Schenkelweichen und Schulterherein (so gut wir das können) geübt. Shahi war plötzlich ganz locker in der Hand, kaute ohne Zügeleinwirkung. Im Trab lief er ganz von alleine vorwärts abwärts und dehnte sich an den Zügel. Man merkte richtig wie die Bewegung von hinten über den Rücken lief.

Das Shahi so entspannt läuft, habe ich schon längere Zeit geübt und früher war es unmöglich ihn in Dehnungshaltung zu bekommen. Sobald er nur einen Hauch Zügel spürte ging sein Kopf hoch und man hatte überhaupt keine Möglichkeit mehr das zu ändern. Selbst bei losem Zügel fand er nicht in die Tiefe. Warum? Er ist ein sensibler Araber und ich habe viel zu viel mit der Hand eingewirkt (mit viel zu viel meine ich aber in keinster Weiße, dass ich ihn in eine Rollkurposition gezwungen hätte!) Ich musste meinen Reitstil oft überdenken und hatte auch professionelle Hilfe, aber richtig zufrieden war ich trotzdem nicht.

So, das Traben ging echt super für heute und ich habe es dann belassen.

24.05.09 – CAPRICHOSA

Heute mit Capri geschlossenes Stehen geübt. Sie steht nicht gerne hin, will sich nach vorne weg verkriechen oder läuft seitlich weg. Ging nach ein paar Mal dann aber ganz gut. Bei Capri ist die recht Seite extrem Schief. Die Spanier und Lusitanos haben oft dieses Problem, weil die Zucht das nicht korrigierte. Man muss dann immer gegen diese Schiefe arbeiten.

Außerdem hat Capri ein extrem nervöses Maul, aber schon von Anfang an. Sobald ein Gebiss drin ist und fängt sie an es mit der Zunge zwischen die Zähne zu ziehen und drauf zu beißen. Das läßt jede Losgelassenheit ersticken. Nach einigem üben von Seitengängen und Übertreten hat sie sich auch im Maul beruhigt und war entspannter.

Ich versuche nun einfach diese Dinge zu ignorieren und die Übungen zur Mobilisation zu machen.

03.06.09 – SHAHI

Heute habe ich für Shahi einen Termin mit meiner Osteopathin vereinbart, denn er ist links immer noch sehr schief, d.h. sein linker hinterer Fuß tritt nicht in die Spur des gleichseitigen Vorderen.

Ich habe wieder auf dem Reitplatz geübt. Mit ganz viel Ruhe und Kadenz. Shahi hat beim Übertreten gut mitgemacht. Rechts tritt er sehr schön über, links weiterhin die Schwierigkeiten. Doch er entspannte sich zusehends und fing wieder an zu kauen.
Vom Sattel aus ganz viel Schenkelweichen auf beiden Seiten im Wechsel und Schulterherein. Irgendwann war er ganz geschmeidig und ging auf leichte Gewichtsverlagerung mit Zügelhilfe innen (Zügel leicht in die Bewegungsrichtung vom Hals weg führen, nicht rückwärts einwirken!) Äußerer Zügel mit leichter Anlehnung am Hals. Seitwärts treibender Schnenkel innen hinter dem Gurt. Oberkörper in Bewegungsrichtung drehen und auch dorthin schauen.

Immer wieder Schrittpausen am langen durchhängenden Zügel.

Leichttraben am losen Zügel. Die Hände ruhig auf beiden Seiten der Widerristes ruhen lassen.

Shahi hat sich nach ein paar Zirkelrunden schön vorwärts abwärts gedehnt und den Zügel gesucht. Dabei hat er ganz entspannt gekaut. Das hat super geklappt, wenngleich er noch etwas schwunglos ging. d.h. zu wenig energisch die Hinterhand gebraucht Aber schön langsam. Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut. Ich habe auch versucht nochmal Rückwärts zu richten. Das hat heute auch besser geklappt, wobei er immer die Tendenz hat recht schräg zu gehen. Das hängt wohl mit seiner linken Schiefe zusammen.

Für heute hat das genügt. Am schluß vom Boden aus nochmal Übertreten gemacht. Das geschlossene Stehen natürlich auch immer verlangt. Er kapiert nun schon ganz gut wenn ich ihn touchiere, was er dann mit seinen Beinen machen soll.

Am Schluß hat er einen sehr zufriedenen Eindruck gemacht. Morgen hat er Pause und ich werde mit Capri Üben.

05.06.09 – CAPRICHOSA

Heut habe ich mit Capri geübt. Übertreten, Seitengänge an der Hand wie gehabt. Capri macht das Übertreten schon sehr gut und das geschlossene Stehen fällt ihr auch viel leichter als Shahi.

Ihr Maul war heute weniger aufgeregt und beim Reiten war es fast weg. Schenkelweichen klappt sehr gut. Im Leichttraben hat sie sich schön gedehnt aber erst am Schluß hatte ich das Gefühl, dass sie richtig über den Rücken an den Zügel tritt. Dann habe ich auch aufgehört und sie war zufrieden.

Morgen gehe ich ein bisschen ins Gelände mit Beiden.

07.06.09 – Caprichosa

Capri hatte am Anfang des Trainings wieder ein sehr aufgeregtes Maul. Das blöde daran ist, dass sie das Gebiß zwischen die Zähne zieht und darauf rum beißt. Sie verspannt dabei eigentlich den Unterkiefer anstatt ihn durch leichtes kauen zu lockern. Der verspannte Unterkiefer, wirkt sich auch auf die Schulter, das Genick und den gesamten Rücken aus. Ich werde das trotzdem ignorieren und glaube, dass mit der Zeit, wenn sie ausbalancierter ist und mit der Hinterhand gearbeitet wird, das Maul automatisch ruhiger wird.

Beim Rückwärtsrichten hat sie auch so ihre Probleme. Sie will nach unten wegtauchen und die Bewegungen bleiben dann stecken. Ansonsten hat alles ganz gut geklappt.

07.06.09 – SHAHI


Shahi ist heute so super gelaufen. Beim Antraben ist er ganz schnell in Dehnungshaltung gegangen und hat richtig Schwung aus der Hinterhand entwickelt. Er neigt ja schnell dazu den Rücken festzumachen, doch heute war er so locker, dass er von alleine plötzlich aus der Bewegung raus angaloppiert ist. Das hat er noch nie freiwillig getan. Denn der Galopp ist auch ein großes Problem von ihm. Da ich eigentlich nicht vor hatte anzugaloppieren, er aber so locker und frei gelaufen ist, habe ich ihn auch gelassen. Ich glaube es wäre nicht gut gewesen ihn gleich wieder in den Trab zu parieren, denn ich will ja die freie Bewegung von ihm nicht gleich wieder ersticken.

09.06.09 – SHAHI

Heute war Shahi einfach nur super! Ich glaube mein früheres Arbeiten mit ihm war doch nicht so ganz daneben, denn Shahi ist gelaufen, als hätte er es schon immer gewusst wie das funktioniert.

Ich habe ihn wie immer viel mit Seitengängen mobilisiert und er hat schon bald seinen Unterkiefer gelockert und gekaut. Die Zügel hat er im Trab diesmal schon nach einer Zirkelrunde von sich aus gesucht und hat bei jedem Trabschritt abgekaut. Er hat schön Schwung aus der Hinterhand entwickelt und auf leichtes zurücknehmen des äußeren Schenkels ist er prompt angaloppiert. Ich saß im Galopp auf ihm wie auf Wolken und konnte mich ganz leicht von seinen Bewegungen mitnehmen lassen. Ich musste nicht mehr schieben, nicht mehr treiben–alles war im Fluss und im Gleichgewicht. Ein super Reitgefühl heute!

12.06.09 – SHAHI

Heute war die Osteopathin da und hat Shahi behandelt. Sie meint zu dem letzten Mal als sie da war hätte er sich schon verbessert und ich hätte gut gearbeitet. Ich habe wieder Hausaufgaben mitbekommen und kann somit weiter mit ihm arbeiten.

Seine Stellung des Beckens ist wohl so bei ihm naturgegeben und ich kann nur versuchen ihn weiter zu mobilisieren und beweglich zu halten. Im Allgemeinen sind seine Gelenke aber trotzdem gut beweglich und auch sein Rücken und die Bauchmuskulatur ist locker. Insgesamt ist seine linke Seite die festere. Diese Seite muss man mehr trainieren.

Weiterhin Übertreten, Seitengänge und vorwärts abwärts in Dehnungshaltung reiten.

Aufgaben: die Kiefergelenke und am Genickansatz (erster Halswirbel) Massage mit leichtem Druck, am Hals Hautfalten rollen um die Verklebungen der Faszien zu lösen, weiter an den Schultern zu den Dornfortsätzen des Widerristes massieren mit mehr Druck, dann am Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule Richtung Kreuzbein arbeiten. Die Hinterhand bis zu den Innenseiten des Oberschenkels genauso massieren.

Jetzt hat Shahi 2 Tage Reitpause, wobei ich ihn im Schritt am Boden arbeiten kann.

Inzwischen haben wir Mitte Juli und meine Pferde genießen grade eine kleine Sommerpause, bedingt durch die Mückenplage und das gerade extrem schwüle Wetter. Bei uns regnet und gewittert es fast jeden Tag. Die Koppeln stehen unter Wasser.

16.07.09
Heute war es mal trocken, aber für morgen sind schon wieder Starregen und Gewitter angesagt. Das heißt, daß meine Pferde wahrscheinlich gar nicht mehr auf die Koppel kommen, denn wenn noch mehr Wasser runterkommt, dann ist echt Land unter auf der Koppel und ich möchte nicht, dass meinen Pferden noch Schwimmhäute wachsen…

Ich werde aber heute Abend um ca.21 Uhr beide mal longieren, in der Hoffnung die Bremsen haben dann ihre Angriffslust für heute eingestellt. Der Sommer könnte so schön sein….! Da ich das versprühen von Fliegenmitteln die eh nichts helfen eingestellt habe, bekommen meine Pferde nun tagsüber Fliegendecken drauf, die Spritze ich dann noch mit Kaltwasser an und die Pferde haben somit auch eine Kühldecke – zumindest für einige Zeit! Das hat ihnen heute sichtlich gutgetan und sie haben ohne schlagenden Schweif ruhig an ihrer Heuraufe gefressen.

17.07.09
Es ist wie ich geahnt hatte. Regen in Strömen und kein Ende in Sicht. Meine Pferde sind trotzdem draussen und Shahi hat die Regendecke drauf, da er schnell friert bei Dauerregen. Ich bin gerade zur Koppel gefahren und überall steht das Wasser auf der Wiese. Der Weg neben der Koppel ist schon ein kleiner Fluss und der Bach ist auch schon übergelaufen. Naja ein Vorteil hat das Ganze – es fliegen keine Mücken. Ich hoffe die Pferde schwimmen nicht davon…Scheiß Wetter! Aber es ist immer noch besser die Pferde trotzdem Rauszulassen, als sie in irgendeinem Stall einzusperren. Pferde sind von dem Wetter wahrscheinlich eh weniger beeindruckt, als wir denken.

Capri hatte ich heute nochmal longiert und Übertreten an der Hand geübt.

18.07.09 – Shahi

Shahi ist heute einfach nur genial gelaufen. Superschön mit Schwung. Er hat sich ganz toll vorwärts abwärts gedehnt. Rückwärtsrichten klappt auch besser und Übertreten an der Hand fällt ihm schon viel leichter.

20.07.09 – Caprichosa

Heute Capri an der Hand Übertreten, Schenkelweichen und Schulterherein geübt. Sie ist immer extrem nervös und das Gekaue auf dem Gebiss wird manchmal echt nervig. Ich versuche es weiterhin nicht zu beachten. Sie macht das immer wenn ich mit ihr anfange Übertreten und anderes zu üben. Ich weiß echt nicht ob es eine Marotte von ihr ist, denn sie machte das von Anfang an schon. Es hat ihr nie jemand im Maul gezerrt. Die Zähne sind in Ordnung und am Sattel liegt es auch nicht. Auch verschiedene Gebisse habe ich schon probiert. Capri nimmt sowieso immer alles in den Mund und kaut darauf rum. Sie hat mir schon einige Zügel zerkaut die in ihrer Nähe hingen.

Beim Longieren hängt sie sich auf der steifen linken Seite extrem in die Longe und will immer rechts weglaufen. Sie kann dadurch keinen Schwung entwickeln. Ich werde jetzt vermehrt ihre linke Seit durch die Seitengänge dehnen und das Longieren mal ne Weile seinlassen. Im Herbst hole ich dann auch noch die Osteopathin. Vielleicht kann sie auch noch was bewirken.

22.07.09 – Caprichosa

Ich habe heute nur 10 Minuten mit Capri auf dem Platz geübt. Mit Gebiss und Leckerchen um sie besser zu motivieren und ihre Nervosität abzufangen. Es hat gut funktioniert und Capri hat auch nicht so viel mit dem Gebiss gekämpft.

Kleine Übungseinheiten sind erstmal besser für sie.

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